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Zwei Gedanken zum Vergleichen

Sich zu vergleichen ist ein wunderbar widersprüchliches Konzept. Frustrierend und beruhigend zugleich. Einerseits heißt es, dass man sich nicht mit anderen vergleichen soll. Was die anderen machen ist nicht wichtig. Hauptsache du machst dein Ding.” Oder: Vergleiche dich nicht mit den anderen; wir sind alle so unterschiedlich.”

Ich bin mir sicher, dass wir genau diese Konzepte selbst gehört oder mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon selbst ausgesprochen haben.

Andererseits ist es für das Überleben absolut notwendig sich mit unseren Mitmenschen zu vergleichen. In praktisch allen Lebenslagen muss man sein Verhalten in soziale Normen” einordnen.

Diese Einordnung macht es dann möglich uns selbst in der Welt zu orientieren. Diese sozialen Normen” sind teilweise von unserer Kultur konstruiert, andererseits aber auch biologisch in uns verankert. Zum Beispiel der Grundsatz der Hierarchie. Ein Vergleich ist automatisch auch eine Einreihung in die Hierarchie der jeweiligen Situation. Also eine Einordnung in z.B. die Hierarchie der Schulnoten. Oder ein Einordnung in die Hierarchie des sozialen Status.

All diese Kategorisierungen kommen von so vielen unterschiedlichen Ursprüngen, dass es unmöglich ist eine Schwarz-Weiß Dichotomie aufzuzeichnen. Aber meine Argumente für ein durchweg graue” Sichtweise der sozio-kulturellen Ursprünge solcher Hierarchien wird auf einen anderen Text verschoben.

Zurück zum Vergleich. Wir haben festgestellt, dass wir uns einerseits nicht mit anderen vergleichen sollen, dass aber der Vergleich mit anderen unweigerlich ist, um sich in der Welt richtig zu verorten zu können.

Ich bilde mir nicht ein eine Lösung für diese vordergründige Antithese zu haben. Allerdings scheinen die beiden Punkte nicht so weit entfernt zu sein, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Zwei Gedanken zum Vergleichen.

Jordan B. Peterson, mein Live-Advice-Guru, schreibt ein ganzes Kapitel in seinem Buch 12 Rules for Life über das Vergleichen. Kapitel 4 ist wie folgt überschrieben: Vergleiche dich mit dem, der du gestern warst, nicht mit irgendwem von heute.” Was für ein schlauer Satz. Obwohl meine Elten mir dieses Konzept schon als Jugendlicher beigebracht haben, habe ich erst in den letzen 2 Jahren begonnen es wirklich zu verinnerlichen.

Viel zu oft vergleiche ich meinen miesen Erfolg” in der Uni, mit einem Dozenten oder einem Promovierenden. Folglich fühle ich mich für meine (z.B.) ungenauen Thesen in der Hausarbeit oder die unvollständige Literaturliste schlecht, weil ich mich mit jemand vergleiche, der in der Entwicklung schon viele Jahre weiter ist als ich es bin.

(Sicherlich ist es wichtig nach den Sternen zu streben und sich die Besten in dem jeweiligen Feld als Vorbild zu nehmen. Aber wie immer: alles in Maßen.)

Der zweite Gedanke ist genauso wunderbar gegenläufig wie das Konzept des Vergleichens selbst. Letze Woche ist mir aus Zufall ein alter Essay, den ich im 2. Semester geschrieben habe, in die Hände gefallen. Ich war geschockt und ein bisschen peinlich berührt, dass ich so etwas abgegeben habe.

Dann auch noch beschämt als ich festgestellt habe, dass ich genau die dummen” Fehler gemacht habe, bei denen ich immer die Augen verdrehe wenn andere sie jetzt bei mir im Kurs machen.

Ich habe es schlichtweg vergessen, dass ich als junger Student genau die gleichen lustigen/dummen Fehler gemacht habe. Innerlich habe ich mir gesagt: das müsste man doch wissen”. Ein gefährlicher Gedanke…

Es geht also in beide Richtungen. Der Vergleich mit der besseren Version von anderen im Jetzt. Und auch der Vergleich mit unserem besseren Selbst mit der schlechteren oder unerfahreneren Version von anderen. Vorsicht bei beiden.

Zusätzliche Anregungen

PS: Vielleicht passiert das bei manchen älteren Menschen, wenn sie sagen: früher war es nicht so” oder dass muss man doch wissen”

Mhmm ich weiß es nicht. Darüber lohnt es sich auch mal nachzudenken.

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