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Die Kunst der Langeweile

Wann war dir das letze Mal wirklich langweilig? Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern. Nein, ich meine nicht die Langeweile, die sich einstellt, wenn man lethargisch durch Netflix wischt und merkt, dass dich jeder Vorschlag anödet. Nein, ich meine richtige Langeweile; die Langweile, die einem zum Denken bringt.

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass die vollkommene Abschaffung von Langeweile eine der großen Errungenschaften der immer präsenten Smartphones seien. Ich will dagegenhalten. Ich will wieder lernen mich zu langweilen… Aber warum?

In jeder Schlange im Supermarkt, bei der kürzesten Unterbrechung in einem Gespräch und bei jeder noch so kurzen Verspätung, haben wir die Möglichkeit uns in die Untiefen des mobilen Internets zu stürzen, wo uns die dumpfen Geräusche der Realität nicht mehr erreichen.

Abgesehen von den Komplikationen, die sich auch bei kurzen Unterbrechungen während den sozialen Interaktionen auftuen, mag die Dauer-Benutzung des Smartphones in unserer Freizeit kaum ein Problem für uns darstellen.

Wenn wir allerdings in Situationen sind, welche Konzentration von uns fordern (z.B. während der Arbeit), wir unser Gehirn aber dazu konditioniert haben auf jeden Anflug von Langeweile mit einer Stimulation zu reagieren, dann wird es problematisch.

Viele von uns, ich auch, haben die Angewohnheit bei jedem noch so kleinen Anflug von Langeweile unser Gehirn förmlich in Dopamin zu baden. Wir konditionieren uns auf: Langeweile — Stimulation; Langeweile — Stimulation; Langeweile — Stimulation.

Unsere Fähigkeit sich zu fokussieren verkümmert.

Für mich ist die Fähigkeit sich zu fokussieren wahnsinnig wichtig. Alles was ich in der Uni mache, und auch in der Zukunft in meinem Beruf machen werde, setzt die Fähigkeit sich zu über längere Strecken zu fokussieren, voraus. Bei vielen anderen Jobs, ist das genau so.

Diese Tips helfen mir:

Jeden Tag eine bestimmte Zeit alleine verbringen. Wirklich alleine, auch ohne Einflüsse anderer Menschen; dazu zählen auch Podcasts, Musik, Hörbücher etc.
Einfach mal Zähne putzen. Oder: Eine Sache zu einer Zeit machen. Es ist erstaunlich, wie entspannend und gedanken-provozierend Zähne putzen, oder Hände waschen sein kann, wenn man versucht sich darauf einzulassen, ohne neben her ein Video zu schauen.
Bücher lesen. Bücher zwingen zu entschleunigen. Lesen ist eine langsame Form des Wissentransfers, aber wohl die wichtigste. Bücher zwingen uns die Argumentationslinie des Autors zu folgen und nachzuvollziehen.

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