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Warum Geschwindigkeit zählt

Warum schaffe ich es nicht jede Woche einen kurzen Text auf dieser Seite zu schreiben? Es ist ja nicht so als würde mir das keinen Spaß machen. Im Gegenteil, schreibend denken ist eine meiner Lieblingsfreizeitaktivitäten. Warum bin ich dann nicht in der Lage einfach eine Idee pro Woche aufzuschreiben und zu veröffentlichen?

Vor einigen Monaten bin ich auf einen Blogpost gestoßen, der beschreibt, warum es von Vorteil sein kann, Aufgaben/Verpflichtungen mit hoher Geschwindigkeit auszuführen. These: Je länger eine Aufgabe, ein Ziel oder ein Vorsatz aufgeschoben wird, desto größer wird der innere Widerstand gegen diese Aufgabe. (Steven Pressfield schreibt in The War of Art“ über resistance“; finde ich ein besseres Wort) Je länger man also mit der Erledigung dieser Dinge wartet, desto schwieriger wird es.

Aber warum?

Die Aufgaben wandeln sich im Kopf mit der Zeit in immer größere Monster. Je mehr Zeit vergeht, desto höher wird der wahrgenommen Preis, den wir für die Erledigung der Aufgabe bezahlen müssen. Ein Beispiel: Letzen Monat habe ich zum ersten in meinem Leben eine Steuererklärung gemacht. Der Gedanke an diese, in meinem Kopf, fast unlösbare Aufgabe, türmte sich wie eine sich aufbauende Welle stetig auf. Wochen und Monate verstrichen und der todo Punkt auf meiner liste wanderte immer weiter, bis es fast zu spät war. Mit Hilfe von Familie und Freunden konnte ich die Aufgabe innerhalb von zwei, nicht besonders anstrengenden, Abenden erledigen. Der Preis, den ich mir eingebildet habe, war um ein vielfaches höher als es in Wirklichkeit war.

Wenn eine Aufgabe immer viel zu lange dauert, lernt man nie sie schnell zu machen.

Erfolg kommt in den meisten Fällen in einer Kombination von Wiederholung und schneller Rückmeldung (feedback-loop).

Für mich hat es klick gemacht. Ein richtiges Aha-Erlebnis. Es hat mir einen Begriff (Speed Matters) gegeben, für etwas, was ich schon oft verspürt, aber nicht genau definieren konnte.

Wie bei anderen Dingen in meinem Leben auch, ist mir jetzt die Theorie klar, die Umsetzung lässt aber noch zu wünschen übrig.

Parkinsons Law beschreibt, dass eine Aufgabe die Zeit füllt, die man ihr zuweist. Dieses Gesetz können wir uns zu Nutze machen, wenn wir eine Aufgabe schneller hinbekommen möchten. Beispielsweise setzte ich mir einen Timer, wenn ich einen Essay abgeben muss. Die Versuchung den Essay immer und immer wieder zu lesen und zu verändern ist für mich einfach zu groß. Der Timer wird für mich wie eine Challenge, die es gilt zu gewinnen. Kann ich in 1h eine Seite des Essays fertig machen?

Nun habe ich mich am Anfang gefragt, warum mir es nicht gelingt jede Woche einen Text zu schreiben. Vielleicht stelle ich mit den Preis, den es kostet den Text zu schreiben, viel größer vor als er eigentlich ist.

Zusätzliche Materialien

Denkversuche Podcast mit Jonas und Sönke über die Gewohnheiten
Speed Matters Blogpost von James Somers

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